Unternehmenssoftware ist der Ort, an dem UX-Schulden am teuersten und am wenigsten sichtbar sind. Ein umständliches internes Werkzeug kostet Minuten pro Aufgabe, multipliziert mit Hunderten Menschen, jeden Tag — und es erzieht Menschen leise dazu, das System zu umgehen. Genau dort beginnen Fehler und Sicherheitsvorfälle. Für die Menschen zu gestalten, die die Organisation am Laufen halten, ist kein Luxus; es ist operatives Risikomanagement.
Warum das jetzt zählt
KI wird in hohem Tempo in Abläufe eingebaut: Copiloten in Ticketsystemen, Zusammenfassungen im Fallmanagement, Agenten, die Formulare vorausfüllen. Ob das hilft, hängt fast vollständig vom Interaktionsdesign ab — wie Konfidenz kommuniziert wird, wie ein falscher Vorschlag korrigiert wird, wie Verantwortung beim Menschen bleibt. Schlecht gestaltete KI-Unterstützung erzeugt entweder Automatisierungsblindheit oder Ablehnung, und beides ist in den Zahlen messbar.
Gleichzeitig gilt seit Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz und dehnt Barrierefreiheitspflichten auf viele digitale Produkte und Dienste aus, während öffentliche und unternehmerische Beschaffung zunehmend WCAG-Konformität verlangt. Barrierefreie interne Software ist außerdem schlicht bessere Software: klarer, schneller, robuster.
Wie ich vorgehe
Ich beginne im Feld. Kontextanalyse — Menschen bei der tatsächlichen Arbeit zusehen, an ihren tatsächlichen Bildschirmen, unter ihrem tatsächlichen Zeitdruck — zeigt an einem Tag mehr als ein Monat Stakeholder-Workshops. Erkenntnisse werden in Aufgabenmodelle und priorisierte Problempunkte übersetzt, dann in Informationsarchitektur und Prototypen, die mit denselben Menschen getestet werden, bevor etwas gebaut wird.
Für KI-gestützte Abläufe wende ich die Human-in-the-Loop-Evaluationsmethoden aus meiner Forschungsarbeit an: Wo gehört Aufsicht hin, was muss die Oberfläche zeigen, damit eine Entscheidung vertretbar ist, wie erholt sich ein Mensch, wenn der Assistent falsch liegt.
Wo es üblicherweise beginnt
Ein Forschungssprint von zwei bis drei Wochen zu einem Werkzeug oder einem Ablauf, der mit validierten Erkenntnissen und einer Designrichtung endet. Größere Vorhaben umfassen Design, Prototyping und die Messung, die belegt, dass die Veränderung gewirkt hat.